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Ertragsgesetz

Das Ertragsgesetz (ausführlicher: Gesetz des abnehmenden Ertragszuwachses) stammt aus der Produktionstheorie, bezieht sich auf substituierbare Produktionsfaktoren (Substitutionsgüter) und lautet:

Erhöht man die Einsatzmenge eines Faktors bei Konstanthaltung der übrigen Faktoren, so kann der Ertragszuwachs zunächst steigen, nach Überschreiten einer bestimmten Grenze muß der Ertragszuwachs abnehmen, nach Überschreiten einer zweiten Grenze muß er negativ werden.

Problem:
Das Ertragsgesetz gilt vor allem im landwirtschaftlichen Bereich. Die Übertragung auf die Industrie ist schwierig, unter anderem deshalb, weil hier limitationale Produktionsprozesse überwiegen.

Beispiel:
Wenn die Gesamtertragskurve den in der Abbildung gezeigten Verlauf hat, dann sind die Ertragszuwächse im Bereich I steigend, im Bereich II fallend und im Bereich III negativ.

Das Ertragsgesetz, auch Gesetz vom abnehmenden Ertragszuwachs genannt, stellt das älteste produktionstheoretische Aussagensystem dar. Es wurde zuerst von dem französischen Physiokraten Anne Robert Jacques Turgot verbal für den Bereich der Landwirtschaft formuliert und danach von dem deutschen Klassiker Johann Heinrich von Thünen empirisch überprüft und theoretisch weiterentwickelt. Beim Ertragsgesetz, welches von Erich Gutenberg
auch als Produktionsfunktion vom Typ A bezeichnet wird, wird davon ausgegangen, daß eine unmittelbare Beziehung zwischen dem Ertrag x und den Einsatzmengen ri, r2,..., r„ der Produktionsfaktoren Ri, R2,..., R. besteht: Dabei wird unterstellt, daß ein bestimmter Ertrag x mit Hilfe mehrerer unterschiedlicher Kombinationen von Faktoreinsatzmengen ri, r2,..., rn erstellt werden kann. Damit diese Bedingung erfüllt ist, müssen die Faktoreinsatzmengen in gewissen Grenzen untereinander ausgetauscht werden können, das heißt also, daß substitutionale Produktionsfaktoren unterstellt werden müssen. Das Ertragsgesetz enthält neben dem rein technischen Problem, welche Kombinationen der Faktoreinsatzmenge möglich sind, gleichzeitig auch das ökonomische Problem, welche Kombination bei gegebenen Preisen die wirtschaftlich günstigste ist. Die Frage, welche die optimale Kombination der Produktionsfaktoren ist, kann nur gelöst werden, wenn der produktive Beitrag jedes einzelnen Faktors am Gesamtertrag isoliert festgestellt werden kann. Dieses Zurechnungsproblem ist aber nur lösbar, wenn es gelingt, die Einsatzmengen eines Faktors zu variieren und die Einsatzmengen aller anderen Faktoren konstant zu halten. Dieser Tatbestand wird als partielle Faktorvariation bezeichnet. Werden zum Beispiel die Einsatzmengen des Faktors Ri variiert und die Einsatzmengen der Faktoren R2 bis R. konstant gehalten, dann kann die Produktionsfunktion auch wie folgt geschrieben werden: wobei r den variablen Faktor angibt. Eine Änderung des Ertrages ist dabei nur noch von einer Änderung der Einsatzmengen des variablen Faktors abhängig. Für die Gültigkeit des Ertragsgesetzes wird außerdem unterstellt, daß der variable Faktor beliebig teilbar ist, daß die Qualität der Faktoren unverändert bleibt, daß nur eine Produktart erzeugt wird, daß die Produktionstechnik nicht verändert wird und daß die Produktionsdauer vorgegeben ist. Die graphische Darstellung der Funktion x = f(r ergibt bei Gültigkeit des Ertragsgesetzes eine s-förmig verlaufende Gesamtertragskurve. Der Graph der Gesamtertragsfunktion zeigt die unmittelbare Beziehung zwischen dem Gesamtertrag x und der Variation der Einsatzmenge r des variablen Faktors bei Konstanz der übrigen Faktoren. Der Gesamtertrag x steigt zunächst erst langsam an, da die Einsatzmengen der konstanten Faktoren gegenüber der Einsatzmenge des variablen Faktors noch zu groß sind, um eine bessere Produktivität zu erreichen. Bei vermehrtem Einsatz des variablen Faktors wird das Wirkungsverhältnis zwischen den konstanten Faktoren und dem variablen Faktor immer günstiger, so daß der Gesamtertrag bis zum Wendepunkt progressiv ansteigt. In diesem ist, rein technisch gesehen, das günstigste Verhältnis zwischen den konstanten Faktoren und dem variablen Faktor erreicht. Danach überwiegt die Einsatzmenge des variablen Faktors, so daß der Gesamtertrag nur noch degressiv steigt, weil die Ertragszuwächse ständig abnehmen. Die Gesamtertragskurve erreicht schließlich ihr Maximum. Wird der variable Faktor weiter vermehrt, so sinkt der Gesamtertrag absolut. Der variable Faktor erbringt vom Maximum an keinen produktiven Beitrag, sondern wirkt sogar produktionszerstörend. Von den Prämissen des Ertragsgesetzes wird inbesondere die Annahme der Existenz von konstanten Prbduktionsfaktoren bestritten. Die Annahme der Konstanz bezieht sich nur auf die Konstanz des Bestandes, nicht aber auch auf die Konstanz der Leistungsabgabe. Unter der Annahme einer konstanten Intensität kann der erhöhte Einsatz nur einer Faktorart zu keiner Steigerung des Ertrages führen, wie es das Ertragsgesetz annimmt. Außerdem ist die Annahme substitutionaler Produktionsfaktoren für die industrielle Produktion, die vorwiegend durch limitationale Produktionsfaktoren gekennzeichnet ist, problematisch. Aus diesem Grunde ist nach Erich Gutenberg das Ertragsgesetz für die industrielle Produktion nicht als repräsentativ anzusehen.

Gesetz vom abnehmenden Ertragszuwachs (Ertragsgesetz)

 

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