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Globalisierung der Kapitalmärkte

Globalisierung ist die stetig wachsende weltweite Interdependenz der Märkte und der Produktion, verursacht durch den Handel in Gütern und Dienstleistungen sowie den grenzüberschreitenden Fluss von Kapital und Technologie. Sie beschreibt die Transformation der Weltwirtschaft, ausgehend von einer Vielzahl national oder regional ausgerichteter Märkte hin zu einem virtuellen Marktplatz, an dem unabhängig von nationalen Grenzen gehandelt und gewirtschaftet wird. Die Kapitalmärkte können als die treibende Kraft dieser Entwicklung bezeichnet werden. Insbesondere Finanzprodukte werden zunehmend zu Commodities, die zur gleichen Zeit weltweit zu identischen Preisen gehandelt werden.

Globales Handeln stellt eine Weiterentwicklung der ?Internationalisierung? i. S. eines Ausbaus der grenzüberschreitenden, aber größtenteils noch bilateralen Beziehungen der Marktteilnehmer dar. Im Zuge der rasanten Fortschritte der Telekommunikation und Informationstechnologie bei gleichzeitig sinkenden Kosten, entwickelte sich im wirtschaftlichen und politischen Umfeld
eine Situation, die zutreffend als Globalisierung bezeichnet werden kann.

Folgende Charakteristika sind dabei kennzeichnend für die Globalisierung:

? das kontinuierliche Wachstum sowie die Integration und die Mobilität der weltweiten Kapitalmärkte,

? die abnehmende Bedeutung nationaler Grenzen und anderer, beispielsweise ökonomischer, Barrieren für die Regulierung von Waren-, Dienstleistungs- und Geldbewegungen,

? die zunehmenden Möglichkeiten, Informationen, Know-how und Human Capital, insbesondere basierend auf der Telekommunikation, weltweit verfügbar zu machen sowie

? die kulturelle Verflechtung der Völker.

Strukturwandel durch Globalisierung

Tendenzen zu globalen, d. h. weltweiten, Verflechtungen in Handel und Finanzwirtschaft gab es schon zu Beginn des Jahrhunderts. Beispielsweise war der Anteil des Welthandels am Weltsozialprodukt bereits im Jahre 1913 so hoch wie dann erst wieder in den frühen 70er Jahren.

Neu an der Globalisierung ist die kontinuierlich steigende Geschwindigkeit, mit der sich Wirtschaftsbeziehungen und Märkte in den letzten Jahren entwickelt haben. Seit 1985 nahm der Handel mit Waren und Dienstleistungen im Jahresdurchschnitt um gut 10 Prozent zu, während sich das nominale Weltprodukt um durchschnittlich weniger als 7 Prozent pro Jahr steigerte.

Neu ist auch die Antwort der Marktteilnehmer auf diese Entwicklungen. Global operierende Unternehmen agieren nicht mehr standortgebunden, sondern als vernetzte, fast virtuelle Systeme, die ihre Aktivitäten nach den Bedürfnissen der Märkte und mit Blick auf seine Profitabilität ausrichten. Die Unternehmenszentrale übt eine koordinierende Funktion aus und schafft die Grundlage für eine sehr hohe Flexibilität des Unternehmens in Hinblick auf Standort- und Investitionsentscheidungen.

Den Unternehmen bietet sich mit Direktinvestitionen die Möglichkeit, den für sie kostengünstigsten und absatzstrategisch besten Standort weltweit auszuwählen. Diese Entwicklung spiegelt sich in der dynamischen Entwicklung der Direktinvestionen wieder, die mit 17 Prozent im Jahresdurchschnitt von 1985 bis 1995 weltweit die Entwicklung des Welthandels und der Weltproduktion deutlich überflügelt haben.

Vorreiter der Globalisierung

Die internationalen Finanzmärkte haben sich in den letzten Jahren sehr viel intensiver als die Realwirtschaft zu einem globalen Markt entwickelt. Die zunehmende Liberalisierung des internationalen Kapitalverkehrs und Deregulierung des Bankensektors seit Anfang der 80er Jahre haben zu einer weit gehenden Öffnung der Märkte und einem rasanten Anstieg der grenzüberschreitenden Handels- und Kreditvolumina geführt. Beispielsweise hat sich das Volumen des Euro-Kreditmarktes von 175 Mrd. US-Dollar in 1975 auf 5.175 Mrd. US-Dollar in 1997 fast verdreißigfacht.

Zur Volumensausweitung hat auch die zunehmende Bedeutung der institutionellen Anleger beigetragen, deren kontinuierlich wachsendes Fondsbudget weltweit rentable Anlagemöglichkeiten sucht. Institutionelle Anleger sind z. B. Versicherungen, Kapitalanlagegesellschaften, Pensionsfonds und Banken, denen eine steigende Anzahl privater Investoren ihre Vermögenswerte zum Zweck der professionellen Verwaltung übertragen. Die grenzüberschreitenden Wertpapier-Transaktionen in Relation zum Sozialprodukt stiegen in Deutschland von 5 Prozent in 1975 auf 168 Prozent in 1995, eine Entwicklung die in allen Industrieländern gleichermaßen beobachtet werden kann.

Die Entwicklungen der Informationstechnologie ermöglichen den Handel rund um die Uhr und verbessern stetig die Arbitrage-Möglichkeiten. Die Globalisierung forciert zudem die Standardisierung der Finanzprodukte. Im Devisen- und Rentenhandel werden mehr oder weniger vereinheitlichte und damit austauschbare Güter (Commodities) grenzüberschreitend meist over-the-counter, d. h. ohne Einschaltung einer Börse gehandelt. Eine funktionierende Arbitrage führt im Idealfall zeitgleich zu einem identischen Preis weltweit.

Der Aktienhandel ist aufgrund der Abhängigkeit von nationaler Gesetzgebung und Regulierung sowohl der Börsen als auch der an den Börsen gelisteten Unternehmen weiterhin fragmentiert. Zumindest innerhalb der EWU ist aber in den nächsten Jahren von einer verstärkten Integration auszugehen.

Eindrucksvoll ist auch die Entwicklung des weltweiten Handels mit sog. Finanzderivaten, z. B. Swaps, Optionen und Futures. Das Volumen der börsengehandelten Derivate hat sich im Zeitraum von 1986 bis 1995 von USD 618 Mrd. auf 9.185 Mrd. erhöht. Derivative Instrumente werden zum überwiegenden Teil zur Absicherung oder zur Fristentransformation eingesetzt.

Während in der Vergangenheit die Aufnahme von Fremd- und Eigenkapital noch innerhalb nationaler Grenzen möglich war, erfordert die Globalisierung des Wirtschaftsgeschehens in Form von weltweiten Fusionen oder Kooperationen i. d. R. auch eine grenz- und z. T. Kontinente überschreitende Mittelaufnahme, z. B. durch die Begebung von Globalanleihen oder die Aktiennotierung an Börsen verschiedener Kontinente.

Für die Marktteilnehmer hat die Weiterentwicklung der Informations- und Kommunikationstechnologie zu einer nahezu totalen Transparenz der Märkte geführt. Dies bringt eine Verschärfung der Wettbewerbssituation mit sich. Der Informationsvorsprung und damit die klassischen Geschäfts- und Ertragsmöglichkeiten der Finanzindustrie sinken ständig und erfordern die Fähigkeit zur Weiterentwicklung und Innovation sowie eine permanente Überprüfung der strategischen Ausrichtung.

Strategische Positionierung der Marktteilnehmer

Die Globalisierung stellt den Finanzsektor vor strategische Entscheidungen von neuer Qualität. Für die Finanzinstitute innerhalb der Europäischen Währungsunion kommt hinzu, dass sie ihren Heimatmarkt und damit ihr Wettbewerbsumfeld neu definieren müssen. Fragen der optimalen Betriebsgröße und der notwendigen Präsenz innerhalb dieses neuen europäischen Heimatmarktes gewinnen eine neue Dimension.

Die Weiterentwicklung der Finanzmärkte ermöglicht den Unternehmen eine einfachere und preisgünstigere Refinanzierung direkt über den Kapitalmarkt und damit zumindest teilweise die Substitution der traditionellen Kreditfinanzierung durch die Banken. Der Stellenwert dieser sog. Disintermediation wird erwartungsgemäß weiter zunehmen und zur Verschärfung des Wettbewerbs innerhalb der Finanzindustrie beitragen.

Höhere Ansprüche der Kundschaft, die mit sinkender Loyalität zur sog. Hausbank einhergehen, führen zu einer Umorientierung in der Bankstrategie zu mehr Kundennähe. Neben einer hohen Servicequalität und einer leistungsfähigen technischen Ausstattung stellen die am Kundenbedarf orientierte zeitnahe Beratungsleistung und die Maß geschneiderte Problemlösung von Finanzierungs- und Anlagefragen die Erfolgsfaktoren einer Bank dar. Die bedarfsgerechte Gestaltung der Schnittstelle zum Kunden muss bei jeder Strategie der Mittelpunkt der Überlegung sein.

Eine erfolgreiche Marktpositionierung kann mit unterschiedlichen strategischen Ausrichtungen erzielt werden. Das Spektrum reicht von der weltweit agierenden, ?globalen? Universalbank bis hin zum ?Nischen-Player? mit einer regionalen oder produktspezifischen Ausrichtung. Die Ausgestaltung hängt maßgeblich von der Zielgruppe und der angebotenen Produktpalette ab. Das bedeutet, dass sich die Strategie der einzelnen Geschäftsbereiche durchaus unterscheiden kann, mithin einzelne Kundengruppen divergierende Organisations- und Unternehmensstrukturen erfordern. Die Strukturentscheidung muss stärker als zuvor von Kosten- und Ertragsgesichtspunkten sowie der Konzentration auf Kernkompetenzen geleitet werden. Weiteres Leitprinzip der internen Ausrichtung ist zunehmend der Erhalt oder die Schaffung von organisatorischer Flexibilität, die notwendig ist, um auf die ständigen Veränderungen der Rahmenbedingungen reagieren zu können.

Die Informationstechnologie stellt einen weiteren, maßgeblichen Gestaltungsfaktor dar. Betroffen ist einerseits die Funktion der Finanzinstitute als Intermediär für Finanz-Informationen. In Hinblick auf die heutige Informationsflut wird es vermehrt darauf ankommen, den sich verringernden Informationsvorsprung zu nutzen und den Kunden eine effiziente Auswahl, Bewertung und Präsentation relevanter Informationen anzubieten. Andererseits erweitert insbesondere die Entwicklung der Kommunikationsmedien den Kreis der Wettbewerber im bislang klassischen Bankgeschäft. Der Erfolg der Direktbanken und das Zukunftspotenzial des Internet-Bankings sind offensichtlich. Oftmals erhalten neue Konkurrenten nur deshalb eine Marktchance, weil sich das traditionelle Geschäft zu langsam der technischen Möglichkeiten bedient. Den stetig steigenden Anforderungen der global agierenden Kunden muss die Kreditwirtschaft mit entsprechendem Know-how und einem State-of-the-art Produktportfolio gerecht werden.

Für die Börsen wird neben der Liquidität in Zukunft die Effizienz zum entscheidenden Erfolgsfaktor werden. Diese wird determiniert durch Kundenorientierung, schnelle und preisgünstige Orderausführung sowie faire Preisfindungsmechanismen. Innerhalb der EWU führt die einheitliche Handels- und Abwicklungswährung zu einer erhöhten Transparenz. Sie betrifft nicht nur den Preis der Aktie, sondern auch die Dienstleistungspreise für Makler, Clearinginstitute und Banken. Die Fortschritte der Informationstechnologie bringen zudem für die Börsen nicht nur Vorteile, sondern belasten sie mit extremen Kosten für die Handels- und Abwicklungssysteme, die den neuesten Entwicklungen Rechnung tragen müssen. Der Schritt hin zu einer Kooperation oder Fusion, die eine Aufteilung der Kosten ermöglicht, erscheint logisch.

Es kommt vermehrt darauf an, dem Kunden weltweit an seinem Standort den Zugang zu einem leistungsfähigen Markt zu verschaffen. Möglich wird dies mit einem grenzüberschreitenden Börsennetzwerk, auch basierend auf Kooperationsvereinbarungen, zu dem die Marktteilnehmer über Terminals weltweit elektronisch und damit standortunabhängig Zugang haben (remote access).

Das Zusammenwachsen der Finanzmärkte im Zuge der Globalisierung impliziert ja geradezu die Vernetzung auch der Börsenstrukturen. Wenn der Handel und die Abwicklung von Finanztransaktionen auch grenzüberschreitend immer effizienter wird, ergeben sich zwei Konsequenzen. Die Institution Börse ist nicht mehr an einen nationalen Standort gebunden und die Notierung, d. h. der Handel von identischen Werten an unterschiedlichen Börsen in derselben Zeitzone wird zunehmend überflüssig. Die drastische Verschärfung des Wettbewerbs unter den Börsen wird in der Konsequenz ihre Anzahl reduzieren.

Wirtschaftspolitische Auswirkungen der Globalisierung

Integrierte Finanzmärkte führen dazu, dass die Bedeutung einer soliden Wirtschafts- und Finanzpolitik zunimmt. Kapital sucht sich lohnende Anlagemöglichkeiten und reagiert sehr sensibel und unvermittelt auf Veränderungen des wirtschaftlichen Umfeldes. Stört eine Entscheidung der Politik die optimale Allokation, so können und werden Marktteilnehmer kurzfristig reagieren und ihre Portfolios umschichten. Damit können die Finanzmärkte eine Kontrollfunktion übernehmen, die zu einer Disziplinierung der nationalen Wirtschaftspolitik führen kann.

Die Mobilität des Realkapitals ist geringer als die des Finanzkapitals, da die Verlagerung von technischer Ausstattung und Infrastruktur kaum ohne zusätzlichen Aufwand möglich ist. Im Zuge der Öffnung von ausländischen Märkten und den weiteren Fortschritten der Informationstechnologie nimmt die Flexibilität und damit die Bedeutung der Standortentscheidung für global agierende Unternehmen jedoch stetig zu.

Die Globalisierung führt zu einer Verschiebung von komparativen Vorteilen zwischen den Ländern. Die Produktivität basiert zunehmend auf dem Human Capital, d. h. Bildung, Wissen, Information und technische Fähigkeiten der Arbeitnehmer werden zu entscheidenden Wettbewerbsfaktoren. Sobald aber diese Fähigkeiten in vergleichbarer Qualität global zur Verfügung stehen, entscheiden zusätzlich das Kostenniveau und die Rahmenbedingungen über die Chancen das Standorts.

Die internationalen Finanz- und zunehmend auch die Gütermärkte reagieren mit entsprechenden Portfolioverlagerungen und Auslandsinvestitionen. Mit dieser messbaren Bewertung der Rahmenbedingungen durch die Wirtschaftsteilnehmer wird für die Politik wirtschaftspolitisches Fehlverhalten erschwert. Diese Entwicklung sollte nicht als Souveränitätsverlust der nationalen Politik beklagt, sondern als Herausforderung angesehen werden. Entscheidend für die Zukunft insbesondere der entwickelten Volkswirtschaften wird es sein, die durch die Globalisierung sichtbar werdenden Standortprobleme zu erkennen und zielgerichtete Lösungen herbeizuführen.

Für die Chancen, die die Globalisierung bietet, muss ein geeignetes Umfeld geschaffen werden. Die Anerkennung von marktwirtschaftlichen Prinzipien und der damit verbundene Wettbewerb hat die Entwicklung der heutigen Industriestaaten vorangetrieben. Die Politik muss sicherstellen, dass sich auch in Zukunft unternehmerisches Handeln und Eigenverantwortlichkeit entwickeln kann und auch lohnt. Weniger Regulierung wird zu einer Stärkung der Verantwortung des Einzelnen und damit zu neuen Freiräumen führen.

Regelungsbedarf durch Globalisierung

Die Grenzen der Globalisierung werden sichtbar, wenn es zu Rückschlägen an den Märkten kommt. Die Interdependenzen zwischen den Märkten und die Volatilität nehmen zu. Krisen beschränken sich nicht mehr auf nationale Wirtschaftsräume, sondern tangieren das gesamte Weltwirtschaftssystem. Dazu hat die Liberalisierung der Kapitalmärkte sicherlich beigetragen. Negative Begleiterscheinungen der Globalisierung verschlechtern nicht nur die Chancen auf Wachstum und Arbeitsplätze, sondern können auch zu einer Gefahr für Freiheit und Demokratie werden, wenn sie die Anpassungsfähigkeit im realwirtschaftlichen Sektor überfordern.

Für aufstrebende Staaten ist es notwendig, dass die Liberalisierung des Kapitalverkehrs in engem Zusammenhang mit der wirtschaftlichen Entwicklung und der Etablierung eines stabilen wirtschaftspolitischen Umfeldes erfolgen sollte. Aufgabe und Pflicht der Industrieländer ist die Unterstützung der Entwicklungs- und Schwellenländer bei der Optimierung dieses Prozesses und die kontinuierliche Überprüfung und Hinterfragung der eigenen Position.

Eine grenzüberschreitende Struktur zur Überwachung der internationalen Finanztransaktionen und -märkte muss entwickelt werden. Während die Märkte immer globaler werden, sind Aufsicht und Regulierung der Finanzmärkte weiterhin in nationaler Hand. Dabei können singuläre nationale Aktivitäten im globalen Zusammenhang fatale Wirkungen erzeugen. Die Globalisierung erfordert eine neue Balance zwischen Bankenaufsicht und wirtschaftlicher Betätigungsfreiheit über die nationalen Grenzen hinweg. Das Ziel muss die Gewährleistung eines stabilen internationalen Finanzsystems sein, das Krisen nicht verstärkt, sondern dämpft.

Der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit kommt bei der Handhabung der globalen Fragestellungen eine bedeutende Rolle zu. Eine stärkere und auch qualitativ bessere Überwachung durch internationale Institutionen, die von allen Marktteilnehmern getragen und akzeptiert werden, ist wünschenswert. Weltweite Standards und Leitsätze zur Entwicklung eines verbesserten Risikomanagements sind zu begrüßen. Die Harmonisierung von Marktregulierungen auf hohem Niveau sowie die Verbesserung von Markttransparenz durch erhöhte Informationspflichten würden einheitliche bzw. vergleichbare Rahmenbedingungen für die Marktteilnehmer schaffen.

Ein weiteres Element stellt die Verpflichtung der einzelnen Marktteilnehmer zur Risikovorsorge dar. In Anlehnung an die Vorschläge der BIZ für einen weltweiten Standard zur Bankenaufsicht, muss die Eigenverantwortlichkeit der Akteure neu definiert und dann auch eingefordert werden. Kein global agierender Marktteilnehmer kann zukünftig ohne ein hoch entwickeltes System zur Risikoüberwachung im Markt bestehen. Die Offenlegung von Exposure z. B. an eine übergreifend arbeitende Evidenzzentrale sowie ein ggf. institutionalisierter Meinungsaustausch über Risiko-Zonen stellen weitere denkbare Instrumente zum Risikomanagement dar. Die Krisen haben hoffentlich zu dem notwendigen Bewusstseinswandel beigetragen, die erforderlichen Maßnahmen zu ergreifen.

Fazit

Globalisierung ist ein komplexes Phänomen, das mit einer Vielzahl von ökonomischen, politischen und gesellschaftlichen Vorgängen in Verbindung gebracht und dementsprechend kontrovers diskutiert wird. Es kann aber nicht darum gehen, Globalisierung abzulehnen oder zu befürworten, so als ob eine Entscheidung ?für oder gegen? Globalisierung möglich wäre. Dies ist nicht der Fall. Vielmehr müssen die beeinflussbaren Parameter identifiziert werden, um die Chancen der Globalisierung für die weltweite Entwicklung nutzen zu können.

Die Finanzindustrie muss im zunehmenden Wettbewerb bestehen und gleichzeitig ihre verantwortliche Stellung im Weltwirtschaftsgefüge akzeptieren und dieser gerecht werden. Banken und Finanzmärkte stellen das notwendige Bindeglied zwischen Innovation, Wirtschaftswachstum und Beschäftigung dar. Die Globalisierung ist als zusätzliche Variable der Unternehmenspolitik zu berücksichtigen; sie erweitert das unternehmerische Umfeld. Die Erschließung neuer Märkte und die Einbindung unterschiedlicher Kulturräume in das Unternehmen erfordert dabei sowohl Offenheit als auch eine verantwortungsvolle Nutzung der durch die Globalisierung geschaffenen Freiräume.

 

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