Home | Finanzlexikon | Börsenlexikon | Banklexikon | Lexikon der BWL | Überblick
Wirtschaftslexikon
über 20.000 Fachbegriffe - aktualisierte Ausgabe 2015
Suche :        
   A   B   C   D   E   F   G   H   I   J   K   L   M   N   O   P   Q   R   S   T   U   V   W   X   Y   Z   

Produktdesign, ökologisches

In diesem Stichwort stehen die Produkte selbst auf dem „ökologischen Prüfstand“. Denn es sind letztlich die Produkte selbst, die die Stoff- und Energieströme entlang ihres Lebensweges verantworten. Für das ökologische Design derselben sind insbesondere Aspekte der Produktnachfrage, des Gebrauchs, des Recyclings und der Verwertung bzw. Entsorgung zukünftiger Produkte von Bedeutung. Ökologisches Design meint hierbei mehr als „Hüllenmacherei“, es umschreibt vielmehr die gemeinsamen Anstrengungen von Designern, Kaufleuten und Technikern um „ökologisch vernünftige“ Produkte. Idealerweise ist ökologisches Design „unsichtbar“, weil sich die Methoden des „ökologischen Designs“ nicht auf Nischenprodukte beziehen, sondern umsetzungsfähige Hinweise für möglichst viele Produkte mit längerer Lebensdauer und reduzierten Stoff- bzw. Energieströmen liefern. Dabei trifft die Entwicklung der Methoden des ökologischen Designs gerade in Deutschland auf eine lange, wenn auch nicht ungebrochene Tradition um eine sozialverantwortliche Gestaltung von Produkten: „Übersehen wir nicht die gesellschaftliche Wirkung der Industrieware, ihren Einfluß auf Denken, Empfinden und Tun der Käufer, Verkäufer und Hersteller. Im Schlechten wie im Guten weckt jedes Erzeugnis vielerlei Vorstellungen und Anspriiche. Umgang mit den Dingen ist wie der mit Menschen. Er kann anregen, fördern, aber auch lähmen und abstumpfen, er kann Halt geben und Haltung aber auch zerstören. Aus Lust und Liebe am Werk danach zu handeln ist jene industrielle Verantwortung, die wirtschaftliche Erwägungen umfassender und weitreichender abzeichnet und die als Wille zur Qualität dem Unternehmen Inhalt und Stärke gibt“ (Wilhelm Wagenfeld, 1954). 1. Design: Ein Thema des betrieblichen Umweltschutzes? Ist Design nicht ein relativ betriebsfremder und zudem kostenintensiver Aspekt, der für die meisten Unternehmen weitab der Arbeitsziele des Betriebsalltags liegt? Selbst in den Unternehmen und Branchen, in denen Produktdesign jetzt schon eine größere Rolle spielt, wird Design in erheblichem Umfang von Ingenieuren und Konstrukteuren im Rahmen ihrer täglichen Arbeit „miterledigt“. Oder anders gefragt, was können so verschiedene Produkte wie Haushaltsgeräte und Industriemaschinen, etwa Kühlschrank und Drehbank, mit „ökologischem Design“ zu tun haben? Hinzu kommt die auf den ersten Blick widersprüchliche Verknüpfung von „Ökologie” und „Design“ in diesem Begriff. Wer verbindet mit „ökologisch“ nicht das früher meist graue, unansehnliche Umweltschutzpapier oder Produkte aus Recyclaten, die so „richtig“ eigentlich keiner gebrauchen kann? Für den Begriff „Design“ ist es genau umgekehrt. Hervorgerufen durch alltägliche Anschauungen von so genannten Design(er)produkten, die ihre Andersartigkeit gegenüber konventionellen Produkten, ihre „Exklusivität“ (zu einem meist entsprechenden Preis) einer offensiv beworbenen Verbindung mit entsprechenden „exklusiven“ Firmen- und/oder Designernamen verdanken. Wenngleich der Markt für Designer-Produkte erheblich gewachsen ist, bleibt es aber auch heute noch ein überschaubarer Kreis von Personen, die Designer-Produkte zur persönlichen „Gestaltung“ ihres Lebensstils einsetzen können. Diese weitverbreitete Vorstellung von Design betont die „Andersartigkeit“ entsprechender Designer-Produkte und läßt sich am besten mit dem Begriff des „Produktstylings“ umschreiben, der nicht selten mit einer Strategie der Produktvariation einhergeht. Aber genau das ist ökologisch bedenklich und um diese Produkte bzw. dieses Verständnis von Design geht es in diesem Stichwort nicht. D. h. aber auch, daß es gerade bei den Methoden/Instrumenten zum „Ökologischen Design“ notwendig ist, überholte (Alltags-)Vorstellungen über Design (und auch über Designer!) über Bord zu werfen und sich auf eine offene Diskussion mit dieser Berufsgruppe einzulassen, die ihre professions-spezifischen Arbeits- und Marktchancen hat. Ökologisches Design ist, wie das Umweltmanagement auch, eine betriebliche Querschnittsaufgabe, die nur durch die Kooperation von Betriebswirten, Ingenieuren und Designern zum Vorteil für Unternehmen und -Umwelt gelöst werden kann. In der Betriebswirtschaftslehre wird gerne von „Fach- und Machtpromotoren“ bei der Durchsetzung von Innovationen in der Betriebsorganisation gesprochen. Die einen wissen „wie es geht“, die anderen können dafür oder dagegen abschließend entscheiden. Die Verwirklichung einer „Nachhaltigen Entwicklung“ bedarf des Blickes auf das Ganze, auf Produktlebenszyklen wie auf kulturelle Entwicklungen. Marketing und F & E sind einerseits zwar sehr weit fortgeschritten, andererseits aber auch durch ihre unternehmenszentrierten Blickwinkel geprägt. Der gestaltende Blick auf Produkte und ihre marktliche und gesellschaftlich/kulturelle Bedeutung kann ökologisch orientierten Designern im Unternehmen (oder als externe Berater) die Rolle von „Nachhaltigkeits-Promotoren“ zuschreiben. Mit anderen Worten, während bei Ingenieuren und Betriebswirten die Problembewältigung bei der Entstehung eines Produktes im Vordergrund steht („Denken in Problemen“), denken Designer genau umgekehrt („Denken in Lösungen“). Ausgehend von einem ersten („idealen“) Entwurf für ein Produkt, der von möglichen betrieblich/marktlichen Restriktionen abstrahiert und Aspekte wie „Nachhaltigkeit“ und „funktionale ästhetische Qualität” in den Vordergrund rückt, kann nunmehr versucht werden, das „Ideal“ der Produktionsrealität schrittweise anzupassen. Unschwer nachzuvollziehen, daß sich in den seltensten Fällen der „ideale Entwurf` durchsetzen läßt. Andererseits ist aber auch festzuhalten, daß hierdurch eine Vielzahl von neuen Wegen bei der Entwicklung neuer Produkte beschritten werden kann, die bei der Vielzahl betrieblicher „Sachzwänge” gar nicht zur Diskussion gelangt wären. Wie kann man jetzt aber die bis hierher skizzierten Vorstellungen von „Ökologischem Design“ konkretisieren? Das International Council of Societies of industrial Design (ICSID) nähert sich in seinem Begriff von „Industriedesign” bereits sehr dem hier gemeinten Verständnis von Design: Industriedesign „ist eine schöpferische Tätigkeit, deren Ziel es ist, die formalen Eigenschaften jener Objekte festzulegen, die die Industrie produziert. Diese formalen Eigenschaften umfassen nicht nur äußere Aspekte, sondern betreffen auch ganz wesentlich die strukturellen und funktionalen Elemente, die aus einem System für den Hersteller und Benutzer eine geschlossene Einheit machen“ (ICSID). Industriedesign bezeichnet damit folglich nicht nur Aspekte der Produktästhetik, sondern bezieht auch die Festlegung von Materialauswahl und Produktionfunktion mit ein. Dabei ist die wesentliche Funktion des (Industrie-) Designs in der Wirtschaft, für den Absatz der Produkte, d. h. insbesondere für die Durchsetzung gegenüber Konkurrenzprodukten zu sorgen. Umweltmanagement ist aber nichts anderes als ein ganzheitliches, ökologisch/ökonomisch effizientes Konzept der Unternehmensführung, daß die strategischen Entscheidungen der Produktentwicklung umfaßt. Dabei ist für wirtschaftlich erfolgreiches ökologisches Design aber nicht ausschließlich das fertige Produkt selbst von Bedeutung. Neben den „wirklich vorhandenen“ Eigenschaften/Funktionen eines Produktes (etwa einer Kaffeemaschine) kommt es wesentlich auf das Qualitätsurteil des Konsumenten im Rahmen seiner Kaufentscheidung an (Kommunikationsfunktion des Produktdesigns). Mit anderen Worten, wie der mögliche Konsument das Produkt aufgrund seiner eigenen Erfahrungen und Einstellungen beurteilt. Die individuellen Auswahlprozesse der Kaufentscheidung des Konsumenten sind mindestens genauso wichtig wie das Produkt selbst. Aus unternehmerischer Sicht ist gutes Design in der Lage, die vermutete Einstellung der Konsumenten zu einem Produkt anzusprechen. Oualität meint in diesem Zusammenhang die Beziehung zwischen wahrgenommenen Produkteigenschaften und den aus den Bedürfnissen des Konsumenten resultierenden Anforderungen an ein Produkt. Dabei bezieht sich das „Qualitätsurteil des Konsumenten“ auf eine Anzahl von Teilqualitäten eines Produktes, deren Kombination ein „Qualitätsbündel“ bildet. An dieser Stelle ist die „Theorie des Qualitätsbündels“ hilfreich, um das Gesagte zu verdeutlichen. Nach Leitherer (1991) lassen sich die folgenden Qualitätskategorien eines Produktes unterscheiden: Gebrauchstechnische Qualität Funktionstüchtigkeit, Anwendungstauglichkeit, Leistungsfähigkeit, Bedienbarkeit, Haltbarkeit eines Produktes; Gebrauchsökonomische Qualität Diese ist eng mit der gebrauchstechnischen Qualität verbunden und kann als deren monetäre Bewertung umschrieben werden. Preis-LeistungsVerhältnis, Betriebskosten je Leistungseinheit; Ökologische Qualität beschreibt die Umweltverträglichkeit des Produktes. Zu unterscheiden ist zwischen der objektiven Umweltverträglichkeit eines Produktes und der subjektiv wahrgenommenen bzw. zugeschriebenen Umweltverträglichkeit; Ästhetisch-kulturelle Qualität beschreibt die subjektive, gesellschaftlich und kulturkreisspezifisch geprägte Empfindung eines Produktes als mehr oder weniger „schön“ (stilorientierte Geschmacksnormen, Mode); Soziale Qualität bezieht sich auf den subjektiv wahrgenommenen und beurteilten Grad der Eignung eines Produktes, einen Beitrag zur gesellschaftlichen Anerkennung seines Besitzers zu leisten (Produkte als Status-, Prestigesymbole). Im Rahmen des „Ökologischen Designs“ stehen die gebrauchstechnische und -ökonomische sowie die ökologische Qualität als stofflich-energetisch beeinflußbare Zielgrößen im Zentrum der Bemühungen. Am Ende des Stichwortes wird aber auch noch auf die bis dato sehr vernachlässigte und meist langfristig nachfragewirksame ästhetisch-kultureller Qualität von Produkten an Hand eines Beispiels eingegangen. Wie sehr die unterschiedlichen Voraussetzungen der Wahrnehmung der o. g. Teilqualitäten auseinandergehen können, wird bereits durch die unterschiedlichen „Wertetendenzen“ im Konsumentenverhalten deutlich. Hinsichtlich des Konsumentenverhaltens lassen sich idealtypisch folgende aktuelle Wertetendenzen ausmachen, die für die Absatzchancen ökologischer Produkte von großer Bedeutung sind: Hedonismus Gegenwartsorientierter, genußfreudiger Konsumstil; Individualität Selektiver, auf Abgrenzung ausgerichteter Konsumstil, Konsum mit indentitätsstiftender Funktion; Kennerschaft An die Stelle des bloßen Besitzens tritt Kennerschaft, Symbolisierung für „kleine Unterschiede“; Neue Bescheidenheit Konsumstil, der das Einfache, Schlichte und Natürliche als subtile Form der Statussymbolik zum Inhalt hat; Authentizität; Originalität und Ursprünglichkeit dominieren diesen Konsumstil; Preisbewußtsein; Qualitätsbewußtsein; Gesundheitsbewußtsein; Hierbei ist wichtig festzuhalten, daß diese Konsumstile nicht statisch festgeschrieben sind, sondern dynamischen Veränderungen unterworfen sind. Dies ist u. a. auch in engem Zusammenhang mit der Rolle des Handels bei der Vermarktung ökologischer Produkte zu sehen. Hier reicht eine Typologie von „Umweltignoranten, Umweltdiplomaten bis zu den Umweltinnovatoren und Umweltfreaks“. Sowohl die Skizze der Typologie der Konsumstile, wie die der ökologischen Handlungstypen im Handel haben gezeigt, daß „Ökologisches Design“ für umweltorientierte Unternehmen ein in Zukunft immer wichtiger werdendes Element einer auf innovative Produkte zielenden ökologischen Unternehmensführung sein muß. Im Zentrum dieses Stichworts stehen damit letztlich die betriebswirtschaftlichen Chancen ökologischen Produktdesigns, die nach einer Phase diverser „Kinderkrankheiten“ in der Produktion und im Handel neue Märkte versprechen. 1.1. Begriff „Ökologisches Design“ Design ist im Unternehmen ein Teilbereich der Produktpolitik. Folglich jene unternehmerische Entscheidung, die sich auf die Marktbildung und Marktbeeinflußung, auf die physischen Eigenschaften eines Produktes einschließlich seiner Markierung und Verpackung und auf die Konzeption produktbegleitender Zusatzleistungen (sowie auf Produktprogramme) bezieht. Ökologisches Design ist die am stofflich/energetischen Produktlebenszyklus orientierte Gestaltung und Festlegung von Eigenschaften eines Produktes. Neben den Anforderungen des Gebrauchs (etwa Langlebigkeit) und den Bedürfnissen der Gebraucher (beispielsweise Funktionalität, Produktimage) werden im Rahmen des Designprozesses die Produkteigenschaften aus dem Blickwinkel der Rohstoffgewinnung bis zur Verwertung/Entsorgung im Sinne einer Nachhaltigen Entwicklung definiert. Ökologische Designprozesse schließen ökonomische Fragestellungen etwa im Sinne von Eigentum versus Leasing zukünftiger Produkte ein. Gutes ökologisches Design ist grundsätzlich „unsichtbar“. Nicht ein ästhetischer oder sozialer Zusatznutzen steht im Mittelpunkt der Bemühungen, sondern umweltverträgliche(re) Produkte, die sich „nahtlos“ in die Produktwelten verschiedener Konsumentengruppen einfügen, einerlei ob als Besitz („Leasing“) oder Eigentum (Kauf). In einer Übergangsphase mögen diese Produkte auch auf einen „Imagefaktor“ beim Konsumenten zielen (ausgefallene Formgestaltung, Kennzeichnung durch ein Label), der aber nur ein zeitlich befristeter Ausweg aus den z. Z. meist noch höheren Erzeugerpreisen darstellt. Idealerweise bleibt ökologisches Design aber „unsichtbar” und bedarf keiner besonderen Produktmerkmale. Hier besteht die Möglichkeit etwa über die Produktqualität selbst oder eine -Umweltberichterstattung des entsprechenden Unternehmens, umweltverträgliche Produkte mit dem Unternehmensimage zu assoziieren. Ob dieses Ziel erreicht werden kann hängt davon ab, inwieweit es gelingt, Designer, Techniker und Kaufleute „an einen Tisch“ zubringen. Kein leichtes Unterfangen, da jede Berufsgruppe für sich eigene Kommunikationsstile pflegt, unterschiedliche „Weltsichten“ mitbringt und wechselseitig Zugeständnisse machen muß. In einem Klima gegenseitigen Interesses vom anderen lernen zu wollen und dem Ziel „vermeidbare Umweltbelastungen vermeiden zu wollen“ dennoch eine realistische Perspektive. Der Produktentwicklungsprozeß beginnt als „offene“ Konzeptionalisierung einer Produktidee. An dieser Stelle steht noch nicht das konkrete Produkt im Vordergrund, sondern die „Botschaft“ die von ihm ausgehen soll. In einer offenen Diskussion sind hier die Einflußmöglichkeiten der verschiedenen Fach- und Entscheidergruppen im Betrieb (Techniker, Kaufleute, Designer) am größten. Nach Auswahl eines Produktkonzeptes folgt die Phase der Realisierung in der in detaillierten Schritten die ökonomischen und technologischen Aspekte der Produktion und des Produktes definiert werden. Was kann ökologisches Design hinsichtlich der Entwicklung neuer Produkte leisten? Welche Aspekte sind konkret zu berücksichtigen? Damit sind die Grundprinzipien ökologischen Designs angesprochen. 1.2. Prinzipien ökologischen Designs Die Integration und Organisation lebenszyklusorientierter, ökologischer Anforderungen in die Design-Aufgabenstellung stellt die zentrale Problemstellung des ökologischen Designs im Unternehmen dar. Die durch Konsumgüter verursachten Umwelteingriffe hängen grundlegend von Entscheidungen im Rahmen der Produktentwicklung ab. Diese legen nicht nur die Umweltaspekte fest, die im unmittelbaren Einflußbereich des Unternehmens liegen (etwa Produktionsverfahren), sondern auch deren vor- und nachgelagerte Stufen (z. B. Rohstoffgewinnung, Recycling, Entsorgung). D. h. vor allem auch, daß im Sinne eines präventiven Umweltschutzes im Betrieb bereits bei der Gestaltung der Produkte mögliche Umweltbelastungen in allen Phasen des -Produktlebenszyklus zu analysieren und Alternativen abzuwägen sind, die die wenigste Umweltbelastung zur Folge haben. Im folgenden werden die wichtigsten ökologischen Designprinzipien, die sich aus der Sichtweise eines ökologischen Produktlebenszyklus ergeben, aufgeführt: Materialeffizientes Design Optimierung des Materialeinsatzes durch Werkstoffsubstitution, Leichtbau, zuschnittgerechte Formgebung, Miniaturisierung (versus Demontagefreundlichkeit), Multifunktionalität und Simplifizierung (Beschränkung auf wesentliche Funktionen); Materialgerechtes Design Vorzug regenerierbarer vor nichtregenerierbaren Materialien, Erschließen neuer Einsatzfelder für regenerier-bare Materialien, Verzicht auf bestandsgefährdete Tier- und Pflanzenprodukte, Einsatz lokaler Materialien, Einsatz von Sekundärrohstoffen und Kongruenz von Material- und Produktwertigkeit; Energieeffizientes Design Reduzierung des Energieverbrauchs in allen Phasen des Produktlebenszyklus, Substitution endlicher durch regenerative Energieträger, Erschließung neuer Einsatzfelder für alternative Energien; Schadstoffarmes Design Schadstoffarme Materialauswahl (etwa Vermeidung von Schwermetallen) und Vermeiddung schadstoffhaltiger Hilfsstoffe; Abfallvermeidendes bzw. -vermindemdes Design; Langlebiges Design Vermeidung von Wegwerf- und Einmalprodukten, Verwendung hochwertiger, reparaturfähiger Materialien, stabile Konstruktionsprinzipien, Modular-design, zeitbeständiges Design („Patinaeffekt”) und hohen Bedienungs- und Nutzungskomfort; Recyclinggerechtes Design Demontagefreundliches Design, Werkstoff-, Bauteil- und Gerätekennzeichnung, recyclinggerechte Materialauswahl (stoffliche Verwertung), Verringerung der Materialvielfalt, Vermeidung von Verbundwerkstoffen und Integration von Anforderungen der Wiederverwendung und -Verwertung; Entsorgungsgerechtes Design Vermeidung von Materialien, deren Entsorgung mit umweltbelastenden Emissionen verbunden ist, Einsatz biologisch abbaubarer Materialien und Kennzeichnung sowie Separierbarkeit von Schadstoffen; Logistikgerechtes Design Reduzierung von Produktvolumen und -gewicht, Reduzierung von Verpakkungsvolumen und -gewicht sowie logistikgerechte Formgebung. Diese Prinzipien des ökologischen Designs sind dabei als Entwicklungsparameter aufzufassen, die im Rahmen des Designprozesses als Entwicklungsziele bzw. -felder zu verstehen sind. 1.3. Ökologisches Design in der Praxis Die Umsetzung ökologischen Designs in der Praxis ist eine Managementaufgabe. Dabei ist festzuhalten, daß in noch viel zu wenigen Unternehmen „Industriedesign“ überhaupt eine Rolle spielt, was nicht zuletzt auch im Alltagsverständnis von „Design als Produktstyling“ vieler betrieblicher Entscheider liegt. Vielerorts ist man zudem sehr damit beschäftigt, die Organisation des Betriebsablaufes nach ökonomischen und ökologischen Kriterien zu bewerkstelligen, so daß Fragen des Produktdesigns in den Hintergrund geraten können. Oftmals werden Designer „nur“ als externe Berater hinzugezogen oder sind in der Unternehmensorganisation auf der Fach- nicht aber auf der Entscheiderebene verankert. Ist aber die Entscheidung getroffen worden, sich um ein möglichst ökologisches Design der Produkte zu bemühen, sich „an einen Tisch mit Designern zu setzen“, ist es einerseits wichtig eine „gemeinsame Sprache“ zu finden, anderseits aber auch aus der Unterschiedlichkeit der Standpunkte gemeinsam zu lernen. Damit es dazu kommen kann, ist es notwendig, die unterschiedlichen Arbeitskontexte von Designern einerseits, und Betriebswirten, Ingenieuren und Juristen andererseits gegenüberzustellen. Deshalb wird im folgenden eine Skizze der verschiedenen Herangehensweise an dem gemeinsamen Nenner „Produkt“ dargestellt, auf der dann die betrieblichen -Instrumente des ökologischen Designs - die von einfachen Checklisten bis zur aufwendigen Integration von Umweltbilanzdaten reichen können - aufbauen. Während bei Designem das Produkt (ganzheitlich) als Informations- und Funktionsträger das Arbeitsziel darstellt, steht bei den Überlegungen der übrigen Betriebspraktiker das Produkt als Mittel zur Erreichung der (letztlich monetären) Untemehmensziele bzw. Bewältigung der arbeitsteiligen Arbeitsaufgabe im Vordergrund. Die Hintergrundkontexte sind sehr verschieden: während Designer gesellschaftliche und kulturelle Zusammenhänge von Produkten schwerpunktmäßig thematisieren, steht, etwa bei Betriebswirten ein eventueller Markterfolg, auf der Basis vergangener Umsatzerfolge (mißerfolge), im Vordergrund. Die in der Abbildung zentralen Arbeitsziele des Industriedesigns gehen auf eine Konzeptualisierung von Dieter Rams zurück (1993) und betonen die Sichtweise „Produkt als Ziel“. Im System Wirtschaft wird „das Produkt als Mittel (zur Zielerreichung)“ aufgefaßt, das unter den Rahmenbedingungen der Konkurrenz, eines entsprechenden Rationalisierungsdrucks und der Konsumentenentscheidung ein Mittelcharakter zukommt. Mit anderen Worten, die „Welt der Designer ist die Welt der Produkte, während die Welt der übrigen Betriebspraktiker eine Welt des möglichst wirtschaftlichen Produzierens und Verkaufens ist“. Bei letzteren stehen die Unternehmensziele (etwa Rentabilität) bzw. die arbeitsteilig definierten Arbeitsaufgaben im Vordergrund, während bei Designern die Gestaltung als ganzheitliche Aufgabe im Zentrum steht. Dies kann dazu führen, daß man „aneinander vorbeiredet“. Das „ideale Vorschläge“ mit sog. „Sachzwangargumenten“ bereits im Ansatz erstickt werden. Ein fataler Fehler, wenn man ökologisches Design nicht als Innovationsprozeß begreift, der einen wichtigen Beitrag zur Unternehmensrentabilität leisten kann. Für eine Verwirklichung der Prinzipien des ökologischen Designs in der Praxis ist die Abschätzung der möglichen Umweltauswirkung eines Produktes notwendig. Hierfür ist die aufwendige und kostenintensive Aufstellung einer Produktökobilanz möglich. Ist die Erstellung einer solchen Produktökobilanz aus Kosten- und Zeitgründen nicht möglich, können Checklisten weiterhelfen. Diese können sie gemeinsam erarbeiteten, ober aber auf vorhandene Vorschläge zurückgreifen. So hat das Deutsche Institut für Normung (DIN) hat einen Leitfaden für die Berücksichtigung von Umweltschutzaspekten bei der Entwicklung neuer Produkte erarbeitet: Die Minimierung des Ressourcen- und Energieverbrauchs ist bereits bei der Produktentwicklung und deren Normung zu beachten. Der Einsatz von Umwelt- bzw. gesundheitsgefährdeten Stoffen sollte ganz vermieden, bzw. wenn nicht vermeidbar, begrenzt werden. Auch mögliche Umweltbelastungen durch vorhersehbare nicht bestimmungsgemäßen Gebrauch sind zu berücksichtigen. Beim Einsatz und Verbrauch von Ressourcen und Energie sind mögliche Kombinationswirkungen zu berücksichtigen. Ziel ist hierbei das Gesamtrisiko der Umweltbelastungen zu minimieren. In allen Lebensphasen der Produktentwicklung sind logistische Aspekte und ihre Umweltwirkungen zu beachten. Die Grundsätze der VDI-Richtlinie 2243 „Konstruieren recyclinggerechter technische Produkte“ sind zu beachten. Diese Richtlinie unterstützt sie bei der Auswahl geeigneter Werkstoffe, einer demontagegerechten Konstruktionsplanung und der Planung der Herstellung aufbereiteter Produkte. Gebrauchsanleitungen sollen Hinweise für die umweltgerechte Anwendung und Entsorgung der Produkte enthalten. Kennzeichnung der Produkte in Hinblick auf ihre Umwelteigenschaften. Der Erfolg von ökologischem Design hängt im wesentlich von der Positionierung desselben in ihrer Hierarchie ihrer Unternehmensziele ab. Wie weit dieser Erfolg tragen kann, zeigt das folgende Beispiel aus der Praxis. 2. (Ökologisches) Design hat Geschichte und ist Bestandteil der (Unternehmens-) Kultur Am Ende des Kapitels steht die Abbildung von zwei unscheinbaren Gebrauchsgeräten des Alltags: Die Salz- bzw. Pfefferstreuer „Max & Moritz“ der WMF AG (Geislingen/Steige). Sie wurden in den 50er Jahren von dem Bauhauskünstler Wilhelm Wagenfeld (1900-1990) entworfen, dem bedeutensten deutschen Industriedesigner des 20. Jahrhunderts. Sie sind ein Paradebeispiel für ökologisches Design, lange bevor man darüber explizit diskutiert hat. Und vor allem: Sie wurden über Jahrzehnte hinweg in sehr hohen Stückzahlen verkauft und sind zum Markenzeichen der WMF in den 50er bis 70er Jahren geworden. Die Streuer bestehen aus Glas und Cromargan einem aus dem Chemieanlagenbau stammenden, nicht rostenden Edelstahl (18/8. später 18/10 Chromnickelstahl). Der aufwendig zu produzierende Schraubverschluß wurde durch einen neuartigen Schnappverschluß ersetzt, die verengende Form des Glases verhindert das Klumpen von Salz oder Pfeffer durch den Gebrauch des Streuers. Das Material des Deckels vermied die bis dato auftretenden Korrosionsprobleme (Grünspan). Maßgebend für den Verkaufserfolg dürfte aber das Design der Streuer gewesen sein, die eine angenehme, attraktive Form haben und gut in der Hand liegen („haptische Qualität“). Die Aspekte des ökologischen Designs dieser Streuer lassen sich zusammenfassend wie folgt skizzieren: langlebig, reparaturfähig, Verzicht auf Verbundwerkstoffe und Kunststoffe, vollständig recycelbar, moderne, aber nicht modische Form, zeitbeständiges Design und nicht zuletzt hohe Funktionalität. Sie sind insbesondere auch ein gutes Beispiel für die deutsche Tradition des Industriedesigns, die vom Werkbund (1907), über das Bauhaus (1919) und zur Ulmer Schule (1955) reicht. In keiner dieser Institutionen wurde zwar von ökologischem Design im heutigen Sinne gesprochen, aber die Grundprinzipien ökologischen Designs fanden sich dort in den Maximen einer sozialverantwortlichen Gestaltung wieder. Mit Hinweis auf das einleitende Zitat von Wilhelm Wagenfeld wird deutlich, daß die Realisierung einer Nachhaltigen Entwicklung neben „betriebstechnischen“ Bemühungen von Kaufleuten, Technikern und Designern insbesondere auch eine kulturelle Herausforderung darstellt. Ökologisches Produktdesign determiniert nicht nur Stoffkreisläufe, sondern ist mitverantwortlich für die Produktkultur oder „Unkultur” einer Volkswirtschaft. Einerseits haben Unternehme(r)n damit die Chance, ihrer kulturellen Verantwortung gerecht zu werden, wie andererseits die Konsumenten über ihre Nachfrage entscheiden, wie „weit“ die Untemehme(r)n im Prozeß des nachhaltigen Wirtschaftens gehen können. Weiterführende Literatur: Bursche!, C.! Manske, B. (Hrsg.): Zeitgemäß und zeitbeständig. Industrieformen von Wilhelm Wagenfeld, 2. Aufl., Bremen 1999; Bursche!, C.: Wilhelm Wagenfelds Streuer-entwürfe für die WMF AG als Vorbilder nachhaltigen Designs, in: Design + Design, Heft 47, Hamburg 1999; Hansen, U.: Ökologisches Marketing im Handel, in: Ökologisches Marketing, hrsg. von Brandt, A. et al., Frankfurt/New York 1988; Leitherer, E.: Industriedesign. Entwicklung. Produktion. Ökonomie, Stuttgart 1991; Mana, J.: Design. Formgebung industrieller Produkte, Reinbek 1978; Rams, D.: Die Zukunft des Designs, in: Rams, D. (Hrsg.): Weniger, aber besser, Hamburg 1995; Triebe!, D.: Ökologisches Industriedesign. Rahmenfaktoren. Möglichkeiten. Grenzen (Diss.), Wiesbaden 1997; Zentralstelle zur Förderung Deutscher Wertarbeit e.V./ Arbeitskreis für industrielle Formgebung im BDI (Hrsg.): Gestaltete Industrieform in Deutschland. Eine Auswahl formschöner Erzeugnisse auf der Deutschen Industrie-Messe, Hannover 1954; Düsseldorf 1954.



<< vorhergehender Fachbegriff
 
nächster Fachbegriff >>
Produkt-Moment-Korrelationskoefflzient
 
Produktdifferenzierung
 
Weitere Begriffe : learning, vicarious | perlokutionär | Lokalbanken
 
Copyright © 2015 Wirtschaftslexikon.co
Banklexikon | Börsenlexikon | Nutzungsbestimmungen | Datenschutzbestimmungen | Impressum
All rights reserved.