Wirtschaftslexikon
  Wirtschaftslexikon A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z
             
 

 

 

Operations Research

wissenschaftliche Methoden und Verfahren mit der Aufgabe, dem Unternehmer und anderen Entscheidungsverantwortlichen zur Lösung von Planungs- und Koordinierungsproblemen, die sich als mathematisch berechenbare Auswahlprobleme bei mehreren Alternativen darstellen, quantitative Unterlagen zur Verfügung zu stellen. In Großbritannien und USA während des Krieges zur Beschaffung und Auswertung von Unterlagen für die Entscheidungen über militärische Maßnahmen und Operationen entwickelt, wird OR mit wachsendem Erfolg zur Ermittlung optimaler Unternehmensentscheidungen angewandt. Deutsche Bezeichnungen, die sich aber nicht allgemeingültig durchsetzen konnten: Unternehmungsforschung, Entscheidungsforschung, Planungs-, Ablauf-, Verfahrensforschung etc. OR wird hauptsächlich zur Lösung folgender Probleme angewandt: Lagerhaltungsprobleme, Zuteilungs- und Verteilungsprobleme, Probleme der Wartezeiten und Stauungen, Ersatzprobleme, Konkurrenzprobleme. Zur Lösung eines Problems durch OR sind folgende Schritte erforderlich:

1. verbale Formulierung des Problems

2. Entwicklung
eines mathematischen Modells

3. Ableitung einer Lösung aus dem Modell mit Hilfe von Algorithmen

4. Prüfung von Modell und Lösung

5. laufende Kontrolle der Lösung während ihrer Anwendung.

Ein derartiger Lösungsweg kann meist nur durch Zusammenarbeit verschiedener Fachrichtungen geschaffen werden: Betriebswirte, Statistiker, Mathematiker, Physiker, Ingenieure, Soziologen, Psychologen u.a.

1. Mathematische Hilfsmittel aus Statistik und Wahrscheinlichkeitstheorie: Wahrscheinlichkeitsgesetze, Verteilungstypen, Zufallsvariable, Additionstheoreme, Monte-Carlo-Methode, Warteschlangentheorie, MarkovProzesse

2. Mathematische Hilfsmittel aus der Gleichungslehre: lineare und nichtlineare Gleichungen, numerische Berechnung von Funktionswerten, Simulation als schrittweises Berechnungsverfahren.

3. Mathematische Hilfsmittel aus der Optimierungslehre: Extremwert-Methoden aus der Differentialrechnung, lineare und nichtlineare Optimierung, dynamische Optimierung, Spieltheorie u.a.

Grenzen der Anwendung: Für manche Verfahren von OR sind Daten erforderlich, die in der Praxis nicht zu beschaffen sind, z.B. in der Spieltheorie Gewinne und Verluste, die in der Praxis nicht verfügbar sind. Außerdem müssen die in das OR-Modell eingehenden Faktoren quantifizierbar und meßbar sein. Beschränkungen der mathematischen Modelle setzen voraus, daß zwischen den einzelnen Variablen streng funktionale Beziehungen bestehen. Im OR-Modell können viele betriebliche Vorgänge nur stark vereinfacht erfaßt werden, so daß die Genauigkeit und Zuverlässigkeit derartiger Ergebnisse stark gemindert wird. Beschränkung durch die vorhandenen Lösungsverfahren (Algorithmen) bestehen, da die bekannten Lösungsverfahren z.B. nicht ausreichen, um bei nichtlinearen Programmen eindeutig optimale Kombinationen zu bestimmen. Ferner gibt es Beschränkungen durch die Wirtschaftlichkeit. Die zum Teil recht erheblichen Kosten zwingen zu der Überlegung, ob die zu erzielenden Ersparnisse den Einsatz von OR rechtfertigen. Der Einsatz von OR stellt erhebliche Anforderungen an die Kostenrechnung, da die meisten Optimierungsprobleme nicht ohne Rückgriff auf Kosteninformationen zu lösen sind. Kostendaten des Operations Research sind aus der Kostenrechnung zu entnehmen. Da die Optimierungsansätze meist mit Grenzwerten arbeiten, kommt die Entwicklung der Kostenrechnung zum Rechnen mit Grenzkosten der verstärkten Anwendung von OR entgegen.

Über den Begriff Operations Research herrschen in der deutschsprachigen Literatur unterschiedliche Vorstellungen. Im allgemeinen wird darunter die Operationsforschung, die Unternehmensforschung oder die Planungsforschung verstanden. Beim Operations Research handelt es sich um die Anwendung von wissenschaftlichen Erkenntnissen bei der Lösung eines Problems mit Hilfe mathematischer Modelle. Dabei sind folgende Merkmale entscheidend:

1. Es wird ein Ziel bestimmt. In der Regel ist eine Größe zu maximieren oder zu minimieren unter der Voraussetzung, daß gewisse Nebenbedingungen (Beschränkungen) efüllt sind.

2. Man bedient sich eines mathematischen Modells, um das Optimierungsproblem lösen zu können.

Die Vorgehensweise des Operations Research bei der Lösung von Problemen läßt sich allgemein wie folgt darstellen:

1. Formulierung des Problems, Analyse der Problemstruktur sowie Festhalten der bestehenden Beschränkungen,

2. Entwicklung eines mathematischen Modells,

3. Berechnung der optimalen Lösung,

4. Prüfung des Ergebnisses auf wirtschaftliche Wirklichkeit,

5. Kontrolle der Lösung bei Durchführung in der Praxis.

 

Diese Seite als Bookmark speichern :

 

<< vorhergehender Begriff
nächster Begriff >>
Operations Cost System
Operations Research (OR)

 

 
     
           
Weitere Begriffe : Personal-Controlling Preisindizes Nachmann
Wirtschaftslexikon. | Copyright © 2005-2008 All rights reserved. www.wirtschaftslexikon24.net | Impressum